Geschichte der Gemäldegalerie
Martin Ferdinand Quadal (1736–1808), Der Aktsaal der Wiener Akademie im St. Anna Gebäude, 1787 © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Die Akademie und der Beginn der Sammlung
Die Wiener Akademie, gegründet 1692, ist eine der ältesten Kunstschulen im deutschsprachigen Raum. Der früheste Sammlungsbestand an Gemälden stammt aus dem 18. Jahrhundert und setzt sich neben repräsentiven Porträts vornehmlich aus den Aufnahmewerken der Akademiemitglieder und den "Preisstücken" der bei den Jahresausstellungen ausgezeichneten Studierenden zusammen. Die damals in der Akademie präsentierten Bilder sind Ausweise der künstlerischen Exzellenz der akademischen Maler und dienen als vorbildhafter Lehrbehelf im Kunstunterricht.
Österr. Maler, Malerklasse in der Akademie in St. Anna, um 1825 © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Die Entstehung eines öffentlichen Kunstmuseums
Die eigentliche Geburtsstunde der Gemäldegalerie schlägt erst im Jahr 1822, als Graf Lamberg-Sprinzenstein, erfolgreicher habsburgischer Diplomat in Turin und Neapel, seine international berühmte Sammlung von rund 800 Gemälden der Wiener Kunstakademie vermacht. Lambergs großzügige Schenkung unterliegt unter anderem der Bedingung, die Bilder für die Öffentlichkeit zugänglich auszustellen. Damit entsteht an der Wiener Akademie – damals noch im ehemaligen St. Anna-Kloster in der Nähe der Kärntnerstraße beheimatet – Österreichs erstes Kunstmuseum an einer öffentlichen Institution: die "Gräflich Lamberg'sche Gemähldegalerie an der Akademie der schönen bildenden Künste".
Christian Kollonitsch, Bildnis Anton Graf Lamberg-Sprinzenstein, 1770 datierbar © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Die Gemäldegalerie in der Akademie am Schillerplatz
Seit dem Jahr 1877 befindet sich die Sammlung in Theophil Hansens prachtvollem Gebäude der Kunstakademie am Schillerplatz. Die Gemäldegalerie hat auch heute noch ihren angestammten Platz in den historistischen Sammlungsräumen im ersten Stock, inmitten der Künstlerateliers und Klassenräume.
Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerdenkmal (Vordergrund) © Helmut Wimmer
Neben der musealen Präsentation war die Sammlung der Akademie auch für die Kunststudent_innen und die Lehre zugänglich zu halten. Der aristokratische Bilderbestand hatte sich als wichtiges Element der Künstler_innenausbildung etabliert, was die Gewichtung der Gemäldegalerie für lange Zeit prägen sollte – noch in den 1970er Jahren war das Kopieren in der Gemäldegalerie Teil der akademischen Ausbildung.
Mit Graf Lambergs Stiftung an die kaiserliche Akademie war die Sammlung unter landesherrlichen Schutz gelangt. Nach dem Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie und der Begründung der Ersten Republik 1918 gingen auch die Sammlungen der Wiener Akademie in das Eigentum des österreichischen Staates über. Diesen Status haben die Bestände seit 1945 in der Zweiten Republik auch wieder inne. Gleichzeitig ist die Gemäldegalerie (jetzt als Teil der Kunstsammlungen mit der Glyptothek und dem Kupferstichkabinett) seit dem Inkrafttreten des Universitätsgesetzes (UG 2002) der privatrechtlich geführten Kunstuniversität organisatorisch integriert.
Restauriert und modernisiert, laufend den Ansprüchen von Energieeffizienz und Klimaschutz angepasst, präsentiert sich die Gemäldegalerie heute als modernes Museum mit wechselnden Ausstellungen mit neuer transhstorischer Programmatik.
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