Skip to main content

Das entwendete Meisterwerk. Bilder als Zeitmaschinen

Ausstellung 
8.4.–30.10.2022

Ort 
Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, OG1, 1010 Wien 

Öffnungszeiten 
täglich außer Montag 
10.00–18.00 Uhr 

T +43 (1) 588 16-2201 
F +43 (1) 588 16-2299 
kunstsammlungen@akbild.ac.at 

> Download Folder
> Download Booklet
 
Die Ausstellung Das entwendete Meisterwerk. Bilder als Zeitmaschinen stellt der gängigen Praxis der Schausammlung ein Modell gegenüber, das die historischen Kunstsammlungen der Akademie – Gemäldegalerie, Kupferstichkabinett und Glyptothek – mit zeitgenössischen Werken in Konversation treten lässt. Die Ausstellung schöpft aus dem Reichtum der drei Sammlungen und greift dabei nur eine Auswahl der vielen möglichen Bildprogramme, Typologien und allegorischen Formeln heraus, um sie mit anderen Werken aus anderen Zeiten lose zu verweben.

Auf Umwegen unternimmt die Ausstellung einen Parcours durch die Kunstgeschichte seit dem 15. Jahrhundert bis heute, wie sie sich in den Kunstsammlungen der Akademie der bildenden Künste abbildet. Dabei beschäftigt sie sich mit den Bildtheorien des 17. Jahrhunderts, wie jener von Samuel van Hoogstraten, genauso wie mit medientheoretischen Überlegungen der Gegenwart als Folge von technologischem Wandel und dessen Niederschlag in der Generierung von Bildern – nämlich der Frage, was das Bild als Medium leisten kann und soll.

Neben diesen Themenstellungen beschäftigt sich die Ausstellung mit der Metapher und der territorialpolitischen Darstellung des Seestückes – des Schiffs und des Meeres. Schwellenzeiten zwischen höfischen und bürgerlichen Gesellschaftskonzepten, die Implikationen einer Proto-Industrialisierung für Klassenverhältnisse und Lebensumstände spielen ebenso eine Rolle wie, damit verbunden, Kippfiguren der Ausgrenzung und Standessatiren. Der Akt und das Marienbild kommen ins Spiel, die Pole des Dionysischen und Apollinischen sowie die gotische Transzendenz.

Typologien, fluide Übergänge von Subjektkonstitutionen werden auf einer Bühne voller überraschender Übereinstimmungen und radikaler Gegenüberstellungen im Sinne eines Sehens in „Familienähnlichkeiten“ und Korrespondenzen sowie Verbindungen bei aller historischen Konditionierung zur Anschauung und Diskussion gestellt.

Der Titel der Ausstellung verdankt sich einer Engführung der Detektivgeschichte „The Purloined Letter“ von E. A. Poe über einen entwendeten Brief, der nicht gesehen wird, weil er so offensichtlich da liegt, mit der Novelle „Das unbekannte Meisterwerk“ (Le Chef-d’oeuvre inconnu) von Honoré de Balzac, in der es um die Imagination und die Grenzen der Darstellbarkeit geht: „Der Auftrag der Kunst besteht nicht darin, die Natur nachzuahmen, sondern sie auszudrücken!“, sagt der alte Meister Frenhofer in der Novelle. Zudem kommen in der Novelle Protagonisten vor wie Peter Paul Rubens, Nicolas Poussin oder François Porbus, die allesamt in der Sammlung der Gemäldegalerie eine Rolle spielen. In beiden Geschichten geht es, wenn auch im gegenläufigen Sinn von exzessiver Nachahmung und Scheitern im Darstellen, um die Fragestellungen von Repräsentation, Aneignung, Mimesis und (optischer) Täuschung sowie um jene nach der Definition von „Meisterschaft“ in Bezug auf die Erfassung von Wirklichkeit.

Albrecht Altdorfer, Philips Angel van Middelburg, Cornelis Bega, Johann Christian Friedrich, Wilhelm Beyer, Abraham van Beyeren, Quirin Boel, Hieronymus Bosch, Alessandro di Mariano Filipepi, genannt Botticelli, Dieric Bouts, Jacques Callot, Daniel Chodowiecki, Joos van Cleve, Lucas Cranach d. Ä., Albrecht Dürer, Anthonis van Dyck, Antonio da Fabriano, Barent Fabritius, Florentiner Maler, Jan Fyt, Jan van Goyen, Hans Baldung Grien, Joris van der Haagen, Samuel van Hoogstraten, Jan van Huysum, Johann Kupetzky, Johann Baptist von Lampi d. J., Claude Gelée, genannt Lorrain, Meister der Groote’schen Anbetung, Meister der Katharinenlegende, Meister der Österreichischen Vorlande, Martin van Meytens, Michael van Mierevelt, Jan Miense Molenaer, Monogrammist H. P., Niederländischer Maler, Jacobea Maria van Nikkelen, Adriaen van Ostade, Rembrandt Harmensz. van Rijn, Peter Paul Rubens, Jacob van Ruisdael, Rachel Ruysch, Roelant Savery, Jacopo del Sellaio, Laurenz Spenning, zugeschrieben, Pierre Subleyras, David Teniers d. J., Anna Dorothea Therbusch, Wigerus Vitringa, Simon de Vlieger, Cornelis van der Voort, zugeschrieben, nach Rogier van der Weyden, Franz Zächerle, Reinier Nooms, genannt Zeeman, Gipsabgüsse nach antiken und klassizistischen Vorbildern und gotische Baurisse
Martin Beck, Anna-Sophie Berger / Teak Ramos, Marcel Broodthaers, Lili Dujourie, VALIE EXPORT, Rodney Graham, Ulrike Grossarth, Albert Paris Gütersloh, Marcello Maloberti, Willem Oorebeek, Jeroen de Rijke / Willem de Rooij, Klaus Scherübel, Allan Sekula, Paul Sietsema, Laurence Sturla

Kuratorin: Sabine Folie